Dass Prostitution Arbeit ist, bestreitet kaum jemand. Dass Arbeit Prostitution ist, hat angeblich der französische Filmregisseur Claude Chabrol gesagt, behauptet Autorin Kyoko Okazaki.
Richtig ist, dass die These von der frühen Feministin Emma Goldman stammt, und eine Feministin ist unsere Autorin allemal. Doch das schlägt sie der Leserschaft nicht um die Ohren, son- dern sie erzählt witzig, verspielt und ironisch die Geschichte von Yumiko: Eine junge Frau, die Rosen und Sex liebt und die sehr gut auf eigenen Beinen stehen kann.
Yumiko macht kein Unterschied zwischen ihrer Arbeit im Büro und dem Erfüllen von Männerwünschen danach. Nur verdient sie im Büro nicht so gut. Wie selbstverständlich versorgt sie sowohl ihren nichtsnutzigen Lover Haruko als auch das gefräßige Krokodil Croc im Badezimmer als auch die kleine Stiefschwester Kieko, die alsbald bei ihr einzieht
Okazakis Werk spiegelt perfekt den Zeitgeist der 1990er Jahre in Japan. Individualismus und Kapitalismus waren auf dem Vormarsch, zugleich fühlten sich die Menschen leer und alleingelassen. Frauen sahen sich plötzlich als „Material Girls”.
Aber „Arbeit ist auch Liebe”, sagt Okazaki. „Liebe. Ja, Liebe. Liebe ist nicht nur warm, nett und zärtlich, sie ist auch ein starkes, beängstigendes, grausames Monster. Genau wie der Kapitalismus.“
Die Farbe Pink ist das Symbol für diese neue Weiblichkeit zwischen Barbie und Sado-Maso-Jobs. Davon erzählt Kyoko Okazaki mit einem unbekümmerten Humor, der trotzdem zeitweise ans Tragikomische grenzt.
Und wenn ihr alles über den Kopf wächst, setzt Yumiko sich hin und lackiert sich in al- ler Ruhe die Fußnägel. In Pink.