Vielleicht ist es genau umgekehrt: wir laufen nicht auf einer riesigen Weltkugel herum, sondern in ihr. Die so genannte Hohlerde-Theorie hat durchaus ihre Anhänger…
…darunter die Gebrüder Schuiten – jedenfalls in diesem Zyklus. Der britische Wissenschaftler Edmond Halley, ein Freund von Isaac Newton und ja, der mit dem Kometen, entwickelte die zeitweise ernst genommene Theorie eines Innenweltkosmos mit plausiblen Argumenten.
Tarzan-Autor Edgar Rice Burroughs siedelte seinen fiktiven Kontinent „Pellucidar“ ebenfalls in der Innenfläche einer Hohlerde an. Sogar Perry Rhodan erlebte einen „Hohlwelt Horror“.
Und auch in diesem zweiten Band der Trilogie geht es den Gebrüdern Schuiten um Sex. Nicht roh, hart und plump, sondern verfeinert, dezent, raffiniert – eben im Schuiten-Style. Die Mädchen auf Zara sind mächtig neugierig, wenn sie auf ihrer Ligam-Wippe reiten. Der Begriff spielt auf Lingam an, im Hinduismus das männliche Geschlechtsorgan. Oder wenn sie diese „Männer“ von dem fremden Planeten genau unter die Lupe nehmen. Natürlich spielen die Jungfrauen auch gern miteinander, aber das kann ja wohl nicht alles sein.
Auch das in Comic-Kreisen unübertroffene Feuerwerk aus innovativen, höchst ästhetischen Transportmitteln findet hier bereits statt. Orchideenartige Fallschirme, schnittige Wagen für die stete Wanderung im Hamsterrad der Hohlerde und eine „Bio-Beamer“- Pflanze, die eigene Gedanken sichtbar macht, wenn man sich darunter setzt.
Die Sache mit den Männern nimmt kein gutes Ende, aber wen kann das überraschen. Egal ob man nun innen oder außen auf der Kugel langläuft, letztlich dreht sich doch alles immer um das eine.
Luc Schuiten, geboren 1944, schrieb Bücher wie Archiborescence über eine Architektur der Zukunft, die mehr der Natur folgt anstatt dem Konsumgedan- ken. Er entwirft zum Beispiel Häuser, die Bäume und deren Strukturen integrieren.
François Schuiten ist 1956 in Brüssel geboren. Seine Bücher wurden in zehn Sprachen übersetzt und bekamen ungezählte Auszeichnungen. Er entwarf Metro-Stationen in Paris und Brüssel, schuf Bühnenbilder für Opern- und Ballettproduktionen und Filme: Taxandria (mit Armin Mueller-Stahl) und Les Quarxs. Und er entwarf Pavillons für Weltausstellungen: Sevilla 1992, Hannover 2000 und Aichi, Japan, 2005.
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